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Was bedeutet „Allah“?

„Allah“ ist das arabische Wort für Gott. Was Muslime damit meinen, was Islam, Judentum und Christentum verbindet und wo die Unterschiede liegen.

Wissen18. Oktober 2026
Minbar der Hamidiye Moschee

Der eine Gott im Islam – Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Raum für Begegnung

Wenn jemand „Allah“ sagt: Meint er damit einen anderen Gott? Was bedeutet dieses Wort für Musliminnen und Muslime? Und was verbindet den islamischen Glauben mit Judentum und Christentum? Als Hamidiye-Moscheegemeinde möchten wir diese Fragen offen beantworten – für gläubige Menschen ebenso wie für Neugierige und Gäste ohne religiöse Bindung.

Ein Wort für Gott – keine andere Gottheit

„Allah“ ist das arabische Wort für „Gott“. Musliminnen und Muslime bezeichnen damit den einen Schöpfer und Herrn der Welt. Auch arabischsprachige Christinnen und Christen verwenden das Wort „Allah“ für Gott. Der Unterschied zwischen den Religionen besteht deshalb nicht einfach in verschiedenen Wörtern für verschiedene Götter, sondern in ihrem Verständnis von Gott und seiner Offenbarung. [9]

Tawhid: Gottes Einheit als Herz des Islam

Der zentrale Gedanke des islamischen Glaubens heißt Tawhid: Allah ist einzig, unvergleichlich und von allem Geschaffenen verschieden. Besonders deutlich formuliert es die kurze Sure al-Ichlas: „Sag: Er ist Allah, ein Einziger ... Er hat nicht gezeugt und ist nicht gezeugt worden. Und keiner ist Ihm gleich.“ (Koran 112:1–4, sinngemäß). [1] Allah wird nicht als Mensch verstanden und ist nicht auf ein Bild oder eine Form zu reduzieren. Der Koran sagt: „Nichts ist Ihm gleich.“ (42:11). [13]

Nicht fern, sondern barmherzig und ansprechbar

Gottes Einzigkeit bedeutet im Islam nicht, dass Er unnahbar wäre. Im Koran heißt es auf die Frage nach Gott: „Ich bin nahe“ und dass Er auf das Bittgebet antwortet (2:186). [2] Muslime sprechen von Allah als dem Barmherzigen, dem Allwissenden, dem Hörenden und dem Gerechten. Die „schönsten Namen“ Gottes helfen, diese Eigenschaften zu verstehen; der Koran lädt dazu ein, Gott mit ihnen anzurufen (7:180). [12] Der Prophet Muhammad veranschaulichte Gottes Barmherzigkeit einmal mit der Liebe einer Mutter zu ihrem Kind und erklärte, dass Allah Seinen Dienern noch barmherziger sei (Sahih al-Bukhari 5999). [5]

Warum Muhammad Ali hier ein treffendes Beispiel ist

Der weltberühmte Boxer Muhammad Ali nannte sich gern „The Greatest“. In einem belegten Interview wurde er gefragt, wie das zu seiner Bescheidenheit als Muslim passe. Seine Antwort: „Allah ist der Größte. Ich bin nur der größte Boxer.“ [7] Eine andere Geschichte unterstreicht seinen Respekt für den Propheten Muhammad: Ali ließ seinen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame an einer Wand statt auf dem Gehweg anbringen. Als Grund wird überliefert, dass niemand über den Namen „Muhammad“ laufen solle, den auch der Prophet trug. [8] Solche Ehrfurcht bedeutet im Islam aber gerade keine Vergöttlichung: Muhammad (Friede sei mit ihm) ist Prophet und Mensch, nicht Allah. Verehrung und Gebet zu Gott bleiben klar unterschieden.

Was verbindet Islam, Judentum und Christentum?

Alle drei Religionen beziehen sich auf Abraham, bekennen sich zum einen Schöpfer und kennen Gebet, Hoffnung, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit. Das jüdische Schma Jisrael bekennt: „Höre, Israel ... der HERR ist einer“ (Deuteronomium 6,4). [10] Auch der Koran knüpft an diese gemeinsame Geschichte an und fordert im Gespräch mit Juden und Christen zu einem guten Umgang auf: „Unser Gott und euer Gott ist einer“ (29:46, sinngemäß). [3] Diese Nähe ist bedeutsam. Sie bedeutet aber nicht, dass alle Glaubenslehren identisch wären.

Wo liegen die wirklichen Unterschiede?

Das Judentum betont Gottes ungeteilte Einheit und erkennt weder Jesus als göttlich noch Muhammad als Propheten an. Im mehrheitlichen Christentum ist Gott ebenfalls einer, wird jedoch als Dreifaltigkeit von Vater, Sohn und Heiligem Geist verstanden: nicht drei Götter, sondern ein Gott in drei Personen. So beschreiben christliche Kirchen ihre eigene Lehre. [11] Der Islam lehnt dagegen die Dreifaltigkeit und die Gottheit Jesu ab. Jesus (ʿIsa), Sohn Marias, wird im Koran als Messias und hochgeehrter Gesandter Gottes bezeichnet (5:75). [15] Diese Unterschiede sollten wir nicht verwischen, aber auch nicht gegeneinander ausspielen.

Und was hat das mit meinem Alltag zu tun?

Für gläubige Muslime zeigt sich die Beziehung zu Allah in Gebet, Dankbarkeit, Verantwortungsgefühl und im Umgang mit anderen Menschen. Niemand muss behaupten, jede Glaubensfrage schon gelöst zu haben. Auch ein junger Mensch mit Zweifeln, jemand, der lange nicht gebetet hat, oder ein Besucher, der gar nicht glaubt, darf Fragen stellen. Ein überlieferter Hadith beschreibt, wie Allah dem Menschen, der sich Ihm zuwendet, entgegenkommt (Sahih al-Bukhari 7405). [14] Das ist eine Sprache der Hoffnung, nicht des Drucks.

Eine Moschee als Ort des Gesprächs

Frankfurt ist eine Stadt vieler Religionen, Generationen und Biografien. Als Gemeinde möchten wir erklären, woran wir glauben, ohne andere zu belehren. Der Koran beschreibt die Vielfalt der Menschen als Anlass, einander kennenzulernen (49:13). [4] Für uns beginnt interreligiöser Dialog damit, zuzuhören, respektvoll nachzufragen und die eigene Überzeugung ehrlich darzustellen. Ein Gespräch muss nicht mit Übereinstimmung enden, um bereichernd zu sein.

Die Frage nach Allah ist damit nicht nur eine Frage nach einem Wort. Sie berührt auch unser Bild vom Menschen: Was macht uns wirklich groß – Erfolg und Ansehen oder Barmherzigkeit, Dankbarkeit und Verantwortung? In unserer Moschee ist Raum, darüber gemeinsam nachzudenken.

Quellen
  • [1] Koran 112:1–4 – Al-Ichlās
  • [2] Koran 2:186 – Nähe Gottes
  • [3] Koran 29:46 – Dialog mit Schriftbesitzern
  • [4] Koran 49:13 – einander kennenlernen
  • [5] Sahih al-Bukhari 5999 – Barmherzigkeit
  • [6] Sahih al-Bukhari 2736 – 99 Namen
  • [7] Muhammad Ali, Interview mit Young Muslim (Sound Vision)
  • [8] ESPN, Muhammad Alis Stern auf dem Walk of Fame
  • [9] Britannica, Bedeutung des Wortes Allah
  • [10] Chabad, jüdisches Schma Jisrael (Dtn 6:4)
  • [11] Vatikan, Katechismus zur Dreifaltigkeit (Nr. 232–255)
  • [12] Koran 7:180 – Gottes schöne Namen
  • [13] Koran 42:11 – nichts ist Ihm gleich
  • [14] Sahih al-Bukhari 7405 – Gottesnähe und Gedenken
  • [15] Koran 5:75 – Jesus als Gesandter

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